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Phänomene der Quarantäne

Früher zogen sich Genies von der Welt zurück und schufen Kunstwerke.
Heute sperrt der Staat Millionen Menschen weg – doch schafft er damit Genies?

Die Quarantäne hält an – langsam gibt es Lockerungen, doch die Daumenschrauben sind noch angezogen.
Die Masken bleiben angezogen. Wir leben noch zurückgezogen.

Wer nutzt die Phase des Abstands vom Alltag?
Um Erfahrungen – in der Welt gemacht – und Gedanken – selbst gedacht – in ein Werk zu packen.

Ein Kunstwerk schaffen – jetzt ist es möglich.

Mal ehrlich, erlebt haben wir genug. Nun braucht es Schaffenskraft.
Als der Graf noch in den Kindergarten ging, da brachte Mobb Deep „The Infamous“ raus.
Dieses Meisterwerk des Hiphop haben Havoc und Prodigy sicher nicht in Queensbridge, New York, auf dem Silbertablett serviert bekommen.

Sicher, sie hörten gut zu und schnappten etliche Lines auf der Straße auf und erlebten dort auch wilde Szenen.
Doch all das wäre eine lose Collage geblieben, eine Sammlung zufälliger Geschehnisse wie sie in der Zeitung unter „Faits Divers“, der Chronik oder „Vermischtes“ zu lesen sind.

In einer schöpferischen Anstrengung verdichteten sie all das zu ihrem stimmigen Kunstwerk.
Düstere Melodien, intelligente Texte und alltägliche Geschichten aus dem Ghetto…
Das Album ist ein Diamant.

Ein Diamant entsteht unter hohem Druck und Temperatur im Erdmantel, typischerweise in Tiefen zwischen 250 und 800 Kilometern.
Der Kohlenstoff ist schon da.
So ist es doch auch im Ländle, die Künstler haben Erfahrung gesammelt, haufenweise; der Grundstoff für das Kunstwerk ist schon da.

Jetzt gilt’s die Phase des Abstands vom Alltag zu nutzen.
Schließt euch ein ins Studio.
Packt die Erfahrungen – in der Welt gemacht – und Gedanken – selbst gedacht – in ein Werk, das ein Diamant wird..

Siehe, das ist der Prozess, in dem ein Diamant entsteht.

Währenddessen hört der Graf Alphagene, Deutsche Probleme und andere Klassiker der Deutschrap-Szene.
Und wartet auf diese Phänomene der Quarantäne.